Im Rückblick

Gewitterschlag mit Blitz und Donner

Gut gebrüllt, Herr Montavon! Denn Sie fühlen sich von mir beleidigt. Das muss ich aushalten.

Letzten Mittwoch um die Mittagsstunde. Ich bin mal wieder in meiner Parallelwelt, schreibe einen Gebrauchstext, der in einen Bericht eines großen Kulturverbandes eingehen soll. Das Telefon weckt mich. Intendanz Theater Erfurt, Herr Montavon möchte Sie sprechen.

Schon geht der Gewitterschlag mit Blitz und Donner über mich herunter. „Wir feiern nicht. Wir sind nicht das Theater, das 120 Jahre alt ist.“ Das ist nur der erste Brüller des Intendanten Montavon. Jetzt muss ich unterbrechen und erklären.

Am letzten Montag vor 120 Jahren, am 15. September 1894, hob sich erstmals im „Stadt-Theater zu Erfurt“ ein Vorhang auf der Bühne zur „Eröffnungs-Fest-Vorstellung“. Im Erfurter Stadtmuseum ist ein Originalplakat zu sehen. Im Theater Erfurt am Theaterplatz gibt es ein Theaterrestaurant 1894. Am letzten Montag habe ich getwittert (siehe Screenshot) und gratuliert, auch dem Intendanten, der zufällig am gleichen Tag Geburtstag hat. „Feiert fröhlich!“

Frech gezwitschert - laut gebrüllt. Alle Abbildungen: mip
Frech gezwitschert – laut gebrüllt. Alle Abbildungen: mip

Zwei Tage später habe ich pointiert und provokant hinterhergezwitschert: „Geschichtsvergessene Gauklertruppe!“ Denn nichts und niemand hat mit irgendeinem Halbsatz an den 120. Geburtstag gedacht oder das Jubiläum gefeiert. Genau so ist das, brüllt der Intendanten in mein Ohr: „Wir feiern nicht!“ Aua!

Um die Ein-Minuten-Vorstellung hier kurz zu rekonstruieren, zitiere ich Herrn Montavon weiter: „Wir sind nicht das Theater, das 120 Jahre alt ist. Wir sind das Theater, das vor zehn Jahren (er meint vor elf Jahren – 2003) öffnete.“ Ein zartes „Aber“ kommt über meine Lippen, den Verweis auf das Theaterrestaurant 1894 brüllt Montavon nieder: „Kein Aber!“

Na ja, noch ein bisschen belehren und brüllen und die Absage des Intendanten, „Sie können ja schreiben, was Sie wollen!“ Aber Dankeschön auch, Herr Montavon! Wie großzügig Sie sind. Und sein letzter Satz: „Ich freue mich, Sie wiederzusehen.“ Knacken im Telefon, Ende der Vorstellung.

Still und verstört bin ich jetzt, grübele und grummele mit mir. Bekomme ich nun Hausverbot im Theater Erfurt?

Ach ja, da steht noch im Theaterfoyer mein Name auf der Sponsorenwand, ist schon ein paar Jahre her, dass ich 1.000 D-Mark gespendet habe. Der Name sollte dann dort auch verschwinden, das wäre konsequent.

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