Diskutieren und verändern

Kultur zwischen Wald und Welt

In Thüringen liegen Kulturentwicklungskonzepte vor: für die die Region Süd, Landkreise Sonneberg und Hildburghausen, für die Region Nord, Kyffhäuserkreis und Landkreis Nordhausen. Auf dem 8. Kulturpolitischen Bundeskongress in Berlin diskutieren am 19. Juni 2015 Akteure aus Politik, Verwaltung und Kulturberatung über diese Konzepte und deren Umsetzung. Der Autor moderiert das Forum.

Der Freistaat Thüringen ist ländlich geprägt. Etwa 80 Prozent der 2,2 Mio Einwohner leben  auf dem Land. Vier mittelgroße bzw. kleinere Städte profilieren sich: die Landeshauptstadt Erfurt, die Universitäts- und Wissenschaftsstadt Jena, das krisengeschüttelte Gera, die Europäische Kulturhauptstadt von 1999 Weimar.

Das Kulturland Thüringen verfügt über drei Weltkulturerbestätten und eine große Vielfalt kleiner Kulturstandorte, -institutionen und -traditionen. Sie konstituieren die Qualitäten des Kulturlandes Thüringen zwischen Wald und Welt.

Gerade wiedereröffnet am Waldrand von Stützerbach: das Museum Goethehaus. Foto: mip
Gerade wiedereröffnet am Waldrand von Stützerbach: das Museum Goethehaus. Foto: mip

Die Landesregierung Thüringens, der ehemalige Kulturminister Christoph Matschie (SPD), beauftragte im Jahr 2013 externe Kulturberater, für zwei Regionen in Nord- und Südthüringen im Dialog mit Kulturakteuren, Politikern und Verwaltungen vor Ort Kulturentwicklungskonzeptionen zu entwickeln. Beide Regionen waren zuvor über ein Bewerbungsverfahren ausgewählt worden.

Nach einem Jahr intensiver Analysen, Gespräche und Workshops mit allen Beteiligten liegen jetzt zwei Kulturentwicklungskonzeptionen mit Handlungsempfehlungen vor. Der neue Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (DIE LINKE) will Konzepte und Empfehlungen nutzen, um die staatliche Kulturpolitik und -förderung in Thüringen strukturell zu evaluieren und neu zu justieren. In den beiden Modellregionen sollen neu einzustellende Kulturmanager den Umsetzungsprozess organisieren, moderieren und kommunizieren. Die externen Kulturberater begleiten den Prozess.

Das Forum 10 „Konzeptbasierte Transformationspolitik der Länder am Beispiel der regionalen Kulturkonzeptentwicklung im Freistaat Thüringen“ will über die aktuellen Erfahrungen informieren, sie reflektieren und kritisieren. Wie kann ein solcher Prozess über die beiden Regionen und den Freistaat Thüringen hinaus Modellcharakter haben? Wie lassen sich Erfahrungen aus dem Beteiligungsprozess, mit den entwickelten Konzepten und Handlungsempfehlungen für und in andere Regionen und Länder in Deutschland transformieren, kopieren bzw. adaptieren?

Der Transformationsprozess kann gelingen, wenn Bürger und Kulturakteure, Politiker und Verwaltungen eine Koalition schmieden. Sie brauchen dafür Energie und Empathie, Geduld und Geld. Kulturpolitik kann und muss das leisten: lokal vor Ort, föderal und national in den Ländern und in Deutschland, im europäischen und globalen Kontext.

Darüber und über andere Aspekte des Themas wollen wir auf dem Podium und mit dem Publikum auf dem 8. Kulturpolitischen Bundeskongress in Berlin debattieren.

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