Lebens- und Zukunftsmodell

Das Bauhaus kommt aus Weimar

Die Bauarbeiten für das Neue Bauhaus Museum in Weimar gehen voran. Die Planungen für das Jubiläum 2019 ebenso.

Das ist nicht irgendein Jubiläum, das am nahen Horizont sichtbar ist. Das Staatliche Bauhaus, die bedeutendste Kunst- und Designschule des 20. Jahrhunderts, wird im April 1919 in Weimar vom Architekten Walter Gropius gegründet. 84 weibliche und 79 männliche Studenten gehören zum ersten Bauhaus-Jahrgang. Gropius wird als Direktor, Lyonel Feininger, Gerhard Marcks und Johannes Itten werden als erste Meister berufen.

„Das Bauhaus kommt aus Weimar.“ Diesen Satz stellte gestern Kulturminister Benjamin Hoff seinem Bericht über dass bevorstehende Bauhaus-Jubiläum voran. Die gleichnamige und sehr erfolgreiche Jubiläumsausstellung 2009 in Weimar, Berlin und New York verbreitete diese schlichte Wahrheit zum wiederholten Mal weltweit, nicht immer zum Gefallen anderer Bauhaus-Orte und Bauhaus-Stätten. Der Minister berichtete über die freistaatlichen Aktivitäten und Gedanken. „Wie wollen wir leben?“, lautet die zentrale Frage in Thüringen, die vor allem in die Zukunft gerichtet ist. „Bauhaus feiern – Die Welt neu denken“ lautet die hedonistisch, kühne, globale These, mit der die Bauhaus-Institutionen in Deutschland das Jubiläum vorbereiten.

Aktueller Zeitplan für den Neubau des Bauhaus museums in Weimar: Quelle: www.buergerinfo-bauhaus.de
Aktueller Zeitplan für den Neubau des Bauhaus Museums in Weimar. Quelle: www.buergerinfo-bauhaus.de

Ganz sichtbar wächst das Neue Bauhaus Museum in Weimar im Areal von Neuem Museum, ehemaligem Gauforum und Stadtmuseum am Rande des Weimarhallenparks. Eine Internetkamera sendet kontinuierlich Bilder von der Baustelle. Die Tiefbauarbeiten sind vorerst abgeschlossen, der Hochbau beginnt. Vorsichtig formuliert Minister Hoff, er sei „durchaus optimistisch, dass der Zeitplan eingehalten wird.“ Eröffnet werden soll der erste Museumsneubau in Thüringen seit 1990 rechtzeitig im Herbst 2018. Das Museum soll nicht nur Ausstellungen zeigen, sondern ein lebendiger Ort von Aktionen, Diskussionen und Angeboten für möglichst viele Besucher werden.

Alle Thüringer Ministerien werden im Rahmen ihrer Zuständigkeiten das Bauhaus-Jubiläum unterstützen, fördern, begleiten. Neben Kultur gehören dazu Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft und Tourismus in Verantwortung von Minister Wolfgang Tiefensee, der selbst Bauhaus-Botschafter ist. Er reist im Herbst 2016 nach Mexiko, um zu werben. Dazu gehört die Bauhaus-Universität Weimar mit eine Vielzahl von Ideen und Projekten. Dazu gehören das Bauministerium und die ihr nachgeordnete Internationale Bauausstellung IBA Thüringen, die 2019 eine Zwischenbilanz ihrer Arbeiten vorstellen wird. Dazu gehört die Stiftung Baukultur, die ein Projekt Digitale Baukultur vorantreibt. Auf seiner USA-Reise im kommenden Jahr wird Ministerpräsident Ramelow selbstverständlich auch für das Bauhaus-Jubiläum in Thüringen werben.

Und sonst? Im Internet, vor allem auf der Website bauhaus100.de, werden bereits viele Aktivitäten vorgestellt, manche andere sind noch Idee. Gedacht und geplant werden unter anderem: eine Aktion „Die Welt sieht Bauhaus“, eine Grand Tour „100 Jahre – 100 Orte“, eine Bauhaus-App, drei große nationale Ausstellungen 2019, das Weimarer Projekt „Topografie der Moderne“.

Die Marke Bauhaus strahlt weltweit aus. Die Marke Weimar ist bekannter als die Marke Thüringen. Das ist nicht neu, erklärt aber manche aufgeregte städtische Diskussion in und über Weimar.

Bauhaus FW 2016-07-07

Der Text erschien zuerst im Feuilleton der Tageszeitung Freies Wort und auf der Internetseite der Zeitung.

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