App´s, Soziale Medien, Blogs

Digitale Brücken zu Luther, ins Museum …

Der analoge Goethe schreibt. Der digitale Luther läuft. Beide sollen für mehr Aufmerksmakeit und Besucher in Burgen, Schlössern, Kirchen, in Museen, Ausstellungen und im ganzen Kulturland Thüringen sorgen.

Der Weimarer Klassiker Goethe ist als analoge Spielzeugfigur einer weltbekannten Marke ein Verkaufsschlager. Das Foto und knappe Informationen im Internet heizten das Geschäft mit Goethe erst richtig an. So ein großer Wirbel um so eine kleine Figur zu so einem kleinen Preis – das ist für Marketingfachleute ein Volltreffer. Wenn Käufer, die im Netz bestellt haben, auch nach Weimar und Thüringen kommen, um die authentischen Klassikerstätten zu besuchen, dann ist das eigentliche Ziel erreicht.

Die Luther-App für smartphones gibt es auch als Web-Variante. Screenshot TTG: mip
Die Luther-App für Smartphones gibt es auch als Web-Variante. Screenshot TTG: mip

Das Internet, die sozialen Medien, die virtuellen Welten sind schon längst ein Teil des Alltags von vielen Menschen geworden. Kulturinteressierte und reisefreudige Zeitgenossen nutzen Websites, Apps, Facebook, Twitter und Blogs, um sich vorab zu informieren und verführen zu lassen, ein Museum, ein Konzert, eine Theateraufführung oder eine Ausstellung zu besuchen. Wenn es ihnen gefallen hat, empfehlen sie danach ihren Freunden, Followern oder der unbekannten Netzgemeinde das Erlebnis. Mit Kritik wird auch nicht gespart.

Mit Luther-App zu Luther-Stätten in Thüringen
Auf den Spuren Martin Luthers können Gäste aus nah und fern jetzt mit einer digitalen App durch Thüringen wandern. Sie können auf die Eisenacher Wartburg abbiegen oder im Erfurter Augustinerkloster in jene Mönchszelle schauen, in der Luther die Bibel studierte und betete. Da ist auf dem Smartphone oder Tablet sogar ein Videoschnipsel aus der berühmten Verfilmung mit Joseph Fiennes und Bruno Ganz zu sehen, gedreht im Erfurter Augustinerkloster.

TTG-Chefin Bärbel Grönegres und Ministerpräsident Bodo Ramelow beobachten die Präsentation der Luther-App.
TTG-Chefin Bärbel Grönegres und Ministerpräsident Bodo Ramelow beobachten die Präsentation der Luther-App.

Eine App ist nichts weiter als ein spezielles Computerprogramm mit multimedialen Anwendungen und Verknüpfungen für kleine Endgeräte wie zum Beispiel ein Smartphone, dass zwei von drei Menschen in Deutschland nutzen. Die App der Thüringer Tourismusgesellschaft heißt korrekt „Luther to go“, der Weg führt digital über 1010 Kilometer durch Thüringen, vorbei an 20 Lutherstätten und 180 Kirchen. Sie vereint Informationen mit Texten, Fotos, sogar dreidimensional als Rundgang zum Beispiel durch den Palas oder Innenhof der Wartburg, auch Videos sind dabei. Digitale Wanderkarten, Veranstaltungstipps, Öffnungszeiten und andere Service-Informationen von Museen, Burgen und Kirchen, natürlich auch Hotel- und Restaurantangebote sind auf dieser App vorhanden, alles miteinander intelligent verknüpft. Der mit einem Smartphone ausgestattete und in seiner Handhabung kundige Besucher und Gast muss nur die vielen Informationen und Funktionen abrufen und nutzen.

Digitale Präsenz von Kulturinstitutionen ganz unterschiedlich
Digitale Medien und Werkzeuge haben längst Einzug gehalten in Kulturinstitutionen in Thüringen, die damit mehr, leider aber oft weniger etwas anzufangen wissen. Über eine aktuelle Internetseite als digitale Adresse sollte heute jedes Museum und Theater, jede Bibliothek und Musikschule, jede Kultureinrichtung verfügen. Bei den größeren Kulturinstitutionen, Festivals und Ausstellungen ist das der Fall. Sie sind in der Regel personell und finanziell so ausgestattet, dass sie mehr oder weniger intensiv mit digitalen Medien informieren, werben, Service-Informationen anbieten. Die Klassik Stiftung Weimar ist in Thüringen digital führend, im nationalen und internationalen Maßstab eher Durchschnitt. Das andere Weltkulturerbe in Thüringen, die Wartburg, begnügt sich neben einer statischen Internetseite mit einer Facebook-Fanpage und schönen Fotos, die tausendfach gelikt werden.

Oft fehlt in den Kulturinstitutionen das gut ausgebildete Fachpersonal und das nötige Geld, um aufwändige digitale Portale und Apps zu betreiben. Die Luther-App hat 150.000 Euro gekostet, gefördert vom Thüringer Tourismus- und Digitalministerium, ein Schnäppchen für die sehr gute Qualität. Wer heute digitale Medien nutzt, muss aktuell agieren, interagieren und reagieren auf Kommentare, Likes, Eintragungen in digitale Gästebücher. Über so eines verfügt die Luther-App und über einen jungen, gut ausgebildeten Fachmann, der vorerst für ein Jahr das Programm technisch und inhaltlich betreut.

Die Wartburg im Netz - und in natura.
Die Wartburg im Netz – und in natura. Fotos: mip

Die Landesausstellung über die Ernestiner ist digital gut präsent, ebenso die Thüringer Bachwochen, das Rudolstadt-Festival, der Thüringer Orgelsommer, das Kunstfest Weimar oder das Schlossmuseum in Arnstadt. Sie nutzen soziale Medien, zeigen Videos im Netz, betreiben eine aktuelle Website, interagieren mit ihrem Publikum im Netz. Über die digitale Brücke sollen die Nutzer gehen, um als Besucher nach Weimar, Arnstadt oder Eisenach an die authentischen Stätten zu kommen.

Dennoch bleibt viel zu tun. Vor allem in den Köpfen von manchen kommunalen Entscheidungsträgern, für die Facebook, Twitter, Blogs und eigene Websites nur mit Risiken, Kosten und dem Verlust von Informationshoheit über ihre Kultureinrichtungen verbunden ist. Erfurt ist dafür ein Beispiel. Der relativ junge Oberbürgermeister Andreas Bausewein und die Mehrheit im Stadtrat lehnten gerade per Beschluss Facebook ab. Über deutlich wahrnehmbare und selbst verantwortete Internetseiten verfügen die meisten von der Stadt getragenen Kultureinrichtungen schon lange nicht mehr.

Der Beitrag erschien zuerst im Feuilleton der Tageszeitung Freies Wort und der Internetseite insuedthueringen.de.

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