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Das Spiel um Liebe und Tod

Picasso war ein genialer Schöpfer und Zerstörer im Leben und in der Kunst. Sein Mythos fasziniert in der berührend schönen, verstörenden Ausstellung im Kunsthaus Apolda.

Was für ein wunderbares Geschenk zum 20. Geburtstag des Kunsthauses Apolda für das Publikum. Die Lichtgestalt unter den Künstlern des 20. Jahrhunderts, Pablo Picasso (1881-1973), gratuliert mit 130 Grafiken in einer hoch emotionalen und ästhetischen Schau „Pablo Picasso – Bacchanal des Minotaurus“. Sie umkreist den Wahnsinn und die Wirklichkeit des Genies.

Die kleinen und großen Kunstwerke auf Papier erzählen Geschichten vom Spiel um Liebe und Tod, Leben und Sterben, dem Stierkampf in der Arena und dem Kampf zwischen den Geschlechtern. Der repräsentative Querschnitt durch die Druckgrafik Picassos spiegelt die Beziehungen zu drei Frauen: Marie-Thérèse Walther, Françoise Gilot und seine zweite Ehefrau Jacqueline Roque.

Sie und der Minotaurus, das mythische Mensch-Stier-Wesen, Picassos Alter Ego, prägen die Ausstellung. Picasso liebte Stierkämpfe, organisierte selbst welche. Zugleich war dieser Kampf auf Leben und Tod für ihn Symbol und Triebkraft für sein Schaffen. Erlösung konnte der Minotaurus, Picasso, durch die Liebe und den Eros finden. So ziehen sich Darstellungen von Stieren und Stierkampfszenen, Frauenporträts und Akte sowie mythologische Motive durch sein Werk. Die Kuratoren Andrea Fromm und Thomas Beege konnten aus dem reichen Sammlungsbestand des Picasso-Museum Münster auswählen, das großzügig die Leihgaben zur Verfügung stellten.

Drei große Faunsköpfe dominieren den ersten Ausstellungsraum im Erdgeschoss. Faunsköpfe? Ja, hinter dem gehörnten Waldgeist verbirgt sich Jaqueline, Picassos zweite Ehefrau, drei Linolschnitte und drei Fassungen von 1962, chronologisch der Abschluss der Schau, deren erste Arbeiten von 1927 datieren. Nebenan Frauenakte: schön, voyeuristisch, zum Hinschauen verführend.

Im Erdgeschoss geht es relativ „friedlich“ zu: Liebe, Leidenschaft, Spiel, Zärtlichkeit. Ganz anders im Obergeschoss, im großen Ausstellungsraum, überschrieben mit „Atelier und Minotaurus“. Hier kreist alles um Picassos junge Geliebte Marie-Thérèse, die er 1927 als 17-jährige kennenlernte. Wir entdecken ein zartes Gesicht, ganz realistisch, der Bildhauer im Atelier mit jungem Mädchen, weitere Atelierszenen.

Und dann explodieren die Gefühle. Blätter tragen Titel wie „Vergewaltigung“, ineinander verschlungene Menschenleiber. Die Serie „Suite Vollard“, benannt nach dem Pariser Kunsthändler, erzählt Geschichten vom Maler und Modell, von Gewalt und Zärtlichkeit, vom Kampf des Minotaurus in der Stierkampfarena und im Atelier.

Oben unterm Dach des Kunsthauses fliegen Tauben, ein sinnlicher und besinnlicher Abschluss. Zwischendurch brodeln Gefühle und kreisen Gedanken über einen Künstler von Welt, der mit sich und der Welt immer im Widerstreit lag, aus diesen existenziellen Konflikten seine Kraft schöpfe, um einmalige Kunstwerke zu schaffen: berührend, betörend, verstörend, abstoßend. Deshalb fasziniert diese Ausstellung in Apolda, wenn man sich auf sie einlässt.

Michael Plote

Im Fokus: Picassos Geliebte Françoise. Foto: mip
Im Fokus: Picassos Geliebte Françoise. Foto: mip

Ausstellung bis 23.03.2014 im Kunsthaus Apolda Avantgarde

geöffnet Di-So 10-18 Uhr

Katalog zur Ausstellung, reich bebildert, 176 Seiten

www.kunsthausapolda.de