Bauhaus100, Weimarer Republik, Museum saniert, Depot umgezogen

Mein letztes Heft als verantwortlicher Redakteur

Die neue Ausgabe der gedruckten Thüringer Museumshefte 2|2018 dürfte noch vor Weihnachten bei den Lesern angekommen sein. Sie widmet sich mit dem Titelthema den beiden Jubiläen 2019 100 Jahre Staatliches Bauhaus und Weimarer Nationalversammlung. Das ist mein letztes Heft als verantwortlicher Redakteur, der Abschied schmerzt.

Wie immer hat dieses Heft mit der Planung viele Ideen hervorgebracht, die nicht alle verwirklicht werden konnten. Vielleicht ist es aufgefallen, diesmal gibt’s kein Editorial. Der allseits bekannte Autor, der dafür angefragt war, wollte nur unter einer Bedingung schreiben, die für mich, in Absprache mit der Redaktion und dem Präsidium des Museumsverbandes, nicht akzeptabel war. Also diesmal kein Editorial, dafür einen das Heft einleitenden Essay von Hellmut Seemann, Präsident der Klassik Stiftung Weimar, der sich auf eine sehr lesenswerte Zeit- und Gedankenreise „Von Weimar in die Welt und vice versa“ begibt.

Die Baustelle neues Bauhaus-Museum Weimar im Mai 2018 mit prominenten Besuchern.

Der Berliner Historiker Heiko Holste beantwortet die Frage, warum ausgerechnet Weimar als Ort der Nationalversammlung ausgewählt wurde, im Frühjahr 1919 ein „Identifikationsort für alle Deutschen“, wie er schreibt. Bekannte und weniger bekannte Persönlichkeiten und Künstler werden im Heft vorgestellt, die am Bauhaus studierten oder lehrten, das Kulturleben der Weimarer Republik mehr oder weniger prägten und beeinflussten: Ernst Hardt, Paul Citroen, Margaretha Reichardt, Kurt Schmidt und Hans Joachim Breustedt. Ihnen sind 2018/2019 Ausstellungen in Weimar, Bad Frankenhausen, Erfurt, Gera und in Steinach im Thüringer Wald gewidmet.

Natürlich werden die drei neuen bzw. neu zu eröffnenden Museen in Weimar vorgestellt: das neue Bauhaus-Museum, das Neue Museum und das Haus Am Horn. Da hätte ich mir eine lebendigere, detailreichere, besser bebilderte Geschichte gewünscht, weil die drei Museen mit ihren Dauer- und Wechselausstellungen das Pfund sind, mit denen die Bauhaus-Gründungsstadt Weimar und die Klassik-Stiftung im Jahr 2019 und danach gegenüber anderen Bauhaus-Orten und dem Jubiläums-Hype wuchern können. Schade, aber so ist das nun mal mit Wünschen und der Wirklichkeit.

In der Rubrik „Aus den Museen“ berichtet Holger Peter Saupe, Leiter der Kunstsammlung Gera, über die umfassend sanierte und wiedereröffnete Orangerie in Gera, die als repräsentativer Ausstellungsort vier Jahre schmerzlich vermisst wurde. Der Beitrag von Saupe macht im Detail deutlich, welche bürokratischen, baulichen und technischen Probleme zu lösen waren. Herzlichen Dank an Holger Peter Saupe, der auf meine wiederholte Bitte diesen Text plus Fotos doch noch kurzfristig ermöglichte.

Christa Hirschler, Direktorin des Schlossmuseums Sondershausen, hat mit ihren Mitarbeitern sehr kraftanstrengende, stressige und nervenaufreibende 18 Monate hinter sich. Der angeordnete Depotumzug aus dem Residenzschloss Sondershausen kam völlig überraschend. Mit Hilfe vieler Partner ist dieser unheimliche Kraftakt gelungen. Darüber schreibt die Direktorin. Dieser Erfahrungsbericht kann für andere Museen, im Kontext der immer mal wieder aufflammenden Debatte um den Zustand von Museumsdepots, sehr informativ und nützlich sein.

Das Angermuseum Erfurt sucht Lösungen für Künstlernachlässe. Fotos/Screenshots: mip

Kuratorin Cornelia Nowak und Studentin Sarah Kühnel schreiben aus der Perspektive des Angermuseums und der Universität Erfurt über den verantwortungsvollen Umgang mit künstlerischen Lebenswerken: „Nachlass – Vorlass: Was bleibt?“. Sie berichten, wie sie mit Unterstützung von Partnern das künstlerische Werk von Winifred Zielonka und Egon Zimpel vorläufig sichern und bearbeiten konnten. Das ist ein ganz heißes, immer wieder diskutiertes Thema in Museen in Thüringen, unter Künstlern, im Verband Bildender Künstler Thüringens. Bisher gibt es keine Konzepte und Lösungen. Sie kann es vermutlich auch nicht geben kann, weil die einzelnen Fälle und Künstler so verschieden sind.

Im „Forum Museum“ reflektiert die Kulturmanagerin Julia Ackerschott über den Faktor Mensch beim strukturellen Wandel in der Südthüringer Museumslandschaft. Das klingt so abstrakt, ist aber ein eminent wichtiges, vielleicht immer wichtiger werdendes Thema, wenn sich kulturelle Strukturen und betroffene Menschen ändern sollen, ändern müssen. Im Falle der geplanten Südthüringer Museumsregion, eines Zweckverbandes Museen, hat Julia Ackerschott einiges bewegt. Das Beharrungsvermögen von manchen Menschen mit Verantwortung vor Ort ist aber bisher größer. Ein sehr lesenswerter Beitrag, der auf einem Vortrag beruht, den Julia Ackerschott im Juni 2018 vor Vorstandsmitgliedern der Museumsverbände Thüringens und Hessens hielt.

Im aktuellen Heft habe ich selbst zwei Beiträge geschrieben. Zum Schwerpunktthema entdeckte ich den in Steinach im Thüringer Wald geborenen Künstler Hans Joachim Breustedt (1901-1984), der am Weimarer Bauhaus studierte, ein menschlich mich sehr bewegendes Schicksal durchlebte, der nach 1945 ein sehr anerkannter Künstler in Österreich war. Der Museumsverein Steinach mit dem 79-jährigen Karl-Heinz Luthardt organisiert eine Retrospektiver mit Werken Breustedts in Steinach ab 24. Mai 2019, kuratiert von der österreichischen Breustedt-Kennerin Helga Hofer. Beide haben mich uneigennützig bei meinen Recherchen zu diesem Beitrag unterstützt, ebenso Andrea Dietrich, die für Thüringen das Bauhaus-Jubiläum koordiniert. Herzlichen Dank!

In meinem zweiten Beitrag rezensiere ich im Museumsheft das Sachbuch „Kulturpolitik in Thüringen. Governance und Netzwerk“ von Michael Flohr. Der 33-jährige Politikwissenschaftler promovierte an der Universität Erfurt zu diesem Thema. Meine Rezension werde ich auf diesem Blog in voller Länge veröffentlichen. Nur so viel, das ist ein brisantes Thema, das im Landtagswahljahr 2019 in Thüringen, vielleicht, ein wenig mehr öffentliche Aufmerksamkeit und Diskussionen hervorrufen könnte.

Das Kapitel „Aus dem Museumsverband“ berichtet über und dokumentiert den Verbandstag des Museumsverbandes Thüringen am 27. September 2018 in Eisenach sowie die sich anschließende Regionalkonferenz zur Museumsperspektive 2025. Meine Bitte an die Leser des Heftes und die Mitglieder des Museumsverbandes: Nehmen Sie sich die Zeit, lesen Sie die veröffentlichten Berichte, insbesondere den „Verbandsbericht des Vorstandes und der Geschäftsstelle“ aufmerksam und reflektiert. Vielleicht fallen Ihnen Fragen ein und Widersprüche auf, vielleicht auch das eine oder andere nicht oder zu kurz dargestellte Thema aus dem Museumsalltag oder Ankündigungen, die gemacht worden sind. Und was aus den Ankündigungen wird oder geworden ist.

Zum Schluss kurz in eigener Sache: Wie bekannt, arbeite ich nicht mehr für den Museumsverband Thüringen, eine Mehrheit des Vorstandes hat das so beschlossen. Das war mein letztes Museumsheft, das ich als verantwortlicher Redakteur begleitet und bearbeitet habe. Das geht nur mit einer Redaktion, mit Ideengebern, mit Autorinnen und Autoren. Dennoch, so schätze ich mal, liegen 60 bis 70 Prozent der redaktionellen Arbeit bei mir, bis das Heft druckreif, pünktlich und vor allem in guter Qualität fertggestellt ist. Mich hat diese Arbeit immer wieder herausgefordert, sie hat mir Spaß gemacht, auch neue graue Haare gekostet. Ich werde diese Anstrengung und die Arbeit am Heft, die Zusammenarbeit mit den Autorinnen und Autoren vermissen.

Mein herzlicher Dank geht an die Redaktion, an Dr. Janny Dittrich (Schlossmuseum Arnstadt) und an Dr. Ulf Häder (Städtische Museen Jena) sowie an Katja Rettig, die gute Seele der Geschäftsstelle des Museumsverbandes und die beste, weil kritische Korrekturleserin der Museumshefte. Ich danke herzlich Steffen Dietz, dem Chef der 2C Media Werbeagentur in Schleusingen, der das Heft seit 2013 zuverlässig in Form und unter die Leser bringt.

Meine Erwartung: Das Museumsheft möge auch künftig in guter Qualität, mit interessanten, vielfältigen und brisanten Themen über die Museumslandschaft in Thüringen und darüber hinaus berichten und pünktlich erscheinen.

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