Zoff über die Zukunft eines Museums

Was ist ein Pop-Up-Museum? Es soll in der Defensionskaserne auf dem Petersberg in Erfurt entstehen.

Wegweiser zur öffentlichen Sitzung des städtischen Kulturausschusses. Foto: miplotex

Im öffentlichen Teil der Sitzung des Ausschusses für Bildung und Kultur des Erfurter Stadtrates fliegen am Mittwochabend die Fetzen zwischen den Fraktionen und Parteienvertretern: verbal und formal, emotional und banal.

Es gibt „sehr viel Skepsis“ unter den Mitarbeitern der Museen in Erfurt, weiß Steffen Raßloff, der als berufener Bürger für die CDU-Fraktion im Kulturausschuss sprechen darf. Hat er eine repräsentative Umfrage unter den Mitarbeitern gemacht? Nö, so viel ich hörte. Egal.

Meine Meinung als Journalist und langjähriger Museumsfreund: Erfurts Kulturdezernent Tobias Knoblich spielt ein falsches und böses Spiel mit einigen städtischen Museen, lässt sie am ausgestreckten Arm verhungern und veröden. Ein echtes Interesse an und Durchsetzungsvermögen für diese Museen ist bei ihm nicht erkennbar.

Öffentlich und nicht öffentlich

Zur Sitzung des Kulturausschusses. Tagesordnungspunkt TOP 6.1 und die Drucksache DS 1826/22 stehen zur Debatte: Pop-Up-Museum Petersberg, öffentlich. Das letzte Wort „öffentlich“ ist deshalb relevant, weil im nicht öffentlichen Teil der Ausschuss-Sitzung auch über das Thema geredet werden soll. Interessierte Bürger, Journalisten und solche Menschen sind da unerwünscht und lästig.

Knoblich öffentlich: Das Pop-Up-Museum „geht nicht zu Lasten der Mitarbeiter.“ Es ist „eine Art Platzhalter“. Diesem Museum solle man „mehr zutrauen“. Es würden „keine Millionenbeträge“ aufgewendet werden.

Eine inhaltliche Idee, ein Konzept, ein Zeitplan? Von alldem war im öffentlichen Teil der Ausschuss-Sitzung nix zu hören. Na ja, vielleicht im nicht öffentlichen Teil. Großes Stadtgeheimnis, was da alles auf dem Petersberg passieren soll.

Investieren und vermieten

Der Eigentümer und Investor der Defensionskaserne, Frank Sonnabend, redet als eingeladener Gast im Ausschuss. Er habe bereits Mietanfragen über 30.000 m² bei einer vermietbaren Fläche von 10.000m². Ein Mietangebot von ihm liegt vor: 3.000 m² muss er laut Kaufvertrag der Stadt anbieten. Das Pop-Up-Museum soll 525 m² bespielen. Über die Mietkonditionen sagt Herr Sonnabend nichts. Mietverträge sollen mindestens 10 Jahre laufen plus Verlängerungsoption. Für nur einen Euro pro Quadratmeter (ohne Nebenkosten) wird der Unternehmer wohl doch nicht vermieten, ist zu vermuten.

Herr Sonnabend investiert in die Sanierung der Defensionskaserne einen zweistelligen Millionenbetrag, wie er ganz offen und öffentlich sagt. Anfang 2024 soll die Sanierung abgeschlossen sein. Anschließend geht es in die Vermietung. Die Stadt solle bis Mitte, spätestens Ende 2023 über sein Mietangebot entscheiden, macht der Unternehmer eine klare Ansage.

Dauerlösung oder Zwischenspiel

Jetzt zum Zoff über die Zukunft des Museums. Ein Pop-Up-Museum als Dauerlösung? Als Zwischenspiel auf dem Petersberg? Folgt da noch ein großes Museum für Stadt- und Kulturgeschichte? So für 3.000 m² Museumsfläche? Jetzt kommen die Stadtpolitiker im Kulturausschuss ins Spiel: SPD, Grüne, Mehrwertstadt und … Hab ich wen vergessen? Sie stellen im Ausschuss den Antrag, ein Pop-Up-Museum in der Defensionskaserne auf dem Petersberg „dauerhaft zu etablieren“. Es solle „Teil des Museumsentwicklungskonzeptes“ der Stadt werden. Das erbost die CDU-Fraktion.

Verbal und formal, emotional und banal fliegen die Fetzen im großen Ratssitzungssaal von rechts nach links und umgekehrt. Dann wird nach Einsprüchen der CDU-Fraktion doch abgestimmt. Der Antrag geht mehrheitlich durch. Die Stimmung im Saal ist auch unten durch.

Hinterher gab es noch einen nicht öffentlichen Sitzungsteil. Nächste Woche Mittwoch, 25. Januar, soll der Stadtrat öffentlich über ein „Umsetzungskonzept“ für ein „Museumsentwicklungskonzept“ der städtischen Museen beraten und beschließen. Das muss ich noch intensiv lesen, darüber reflektieren. Dann gibt’s wieder was hier zum Lesen.

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