Start und Stillstand – Millionen für Thüringer Schlösser

Im Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden stehen noch Baugerüste. Im Schloss Friedenstein in Gotha sind sie abgebaut worden. Im Schloss Elisabethenburg in Meiningen sollen Baugerüste möglichst bald stehen.

Bevor gebaut, saniert und restauriert werden kann, bevor 200 Millionen Euro in 13 Thüringer Schlösser und Burgen investiert werden, muss geplant, abgestimmt, bestätigt und ausgeschrieben werden. Der bürokratische Aufwand ist enorm, bevor Baugerüste und Baukräne stehen können. Das größte staatliche Investitionsprogramm in Kultur-Bauprojekte in der Geschichte Thüringens seit 1990 startete eher im Stillen. Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) stemmt dieses Mammutprojekt, das Sonderinvestitionsprogramm I (SIP I).

Ewige Baustelle Schloss Altenstein bei Bad Liebenstein. Archivfoto: miplotex

Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages stellte mit einem Beschluss vom 26. November 2020 der Thüringer Schlösserstiftung 100 Millionen Euro zur Verfügung, kofinanziert in gleicher Höhe durch den Freistaat Thüringen. Insgesamt 200 Millionen Euro stehen bis zum Jahr 2027 bereit, um Dächer, Fassaden, Mauern und Innenräume von Thüringer Schlösser und Burgen zu sanieren und zu restaurieren. Im Juni 2021 vereinbarten Bund und Land, welche Schlösser wie viele Fördermillionen erwarten können. So ein Verwaltungs- und Finanzierungsabkommen regelt bis ins fast letzte Detail, wofür und wie die Millionen verwendet werden dürfen.

Gestoppt und zurückgestellt
„Das Budget ist endlich“

Ein Jahr nach dem Start und den ersten Planungen durch die STSG sind 22 Teilprojekte in 13 Thüringer Schlösser und Burgen durch eine extra installierte Baukommission von Bund und Land bestätigt und auf den Weg gebracht. Vier Teilprojekte in den Schlössern Dornburg, Molsdorf, Sondershausen und Schwarzburg mussten vorerst gestoppt und zurückgestellt werden. Die Sanierung von Schloss Wilhelmsthal bei Eisenach ist komplett gestrichen worden. Die Direktorin der Thüringer Schlösserstiftung Doris Fischer verweist auf die enorm gestiegene Inflation, explodierende Baupreise und insgesamt steigende Baukosten. „Das Budget ist endlich“, auch wenn 200 Millionen Euro eine für Thüringer Verhältnisse hohe Summe und 20 Prozent davon als Risikovorsorge von Anbeginn eingeplant sind.

Es war einmal…, Baugerüst im Schloss Friedenstein Gotha. Archivfoto: miplotex

Ein Sonderfall ist die Sanierung von Schloss Friedenstein mit Orangerie und Herzoglichem Park in Gotha, die seit 2017 läuft und seitdem von der Thüringer Schlösserstiftung als Eigentümerin der Liegenschaft geplant und gesteuert wird. Bund und Land investieren hier 110 Millionen Euro, davon kommen 50 Millionen Euro aus dem SIP I. Genau genommen darf die STSG also 260 Millionen Euro in Thüringer Schlösser und Burgen investieren. Die zusätzlichen Millionen für Gotha sind politisch so gewollt und beschlossen. „Ein Schloss der Superlative wird saniert!“, formulierte STSG-Direktorin Doris Fischer im Jahrbuch 2020 der Stiftung. Das erste von vier Teilprojekten, der Westflügel des Schlosses, ist zum Teil saniert, die ersten Millionen Euro sind verbaut.

Oberbürgermeister Kreuch ist hörbar sauer
wegen Stillstand auf Schloss Friedenstein in Gotha


Seit dem Frühsommer 2022 sind Baugerüste und Baukran aus dem Innenhof von Schloss Friedenstein verschwunden. Was ist da passiert? Oder auch nicht? Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) ist Vorsitzender der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha (SSFG). Er ist im Gespräch hörbar sauer auf den Stillstand im Schloss, spricht von einem „dreijährigen Baustopp“, der vom Geldgeber Bund am Land vorbei verhängt worden sei. Er fordert, dass der Thüringer Kulturminister Benjamin Hoff (Linke) „einschreiten“ solle. „Ich erwarte klare Aussagen von Bund und Land bis zum Herbst 2022“, fordert Kreuch.

Antworten auf seinen Groll über den Stillstand oder Baustopp auf Schloss Friedenstein wird Knut Kreuch vermutlich bis dahin bekommen. Bauherrin Doris Fischer, die STSG-Direktorin, widerspricht Kreuch: „Einen Baustopp haben wir nicht.“ Allerdings befinde sich das Mammutprojekt „in einer gewissen Phase“, redet sie um den heißen Brei herum. Das Bundesfinanzministerium habe zu einer „grundsätzlichen Aussprache“ über das 110-Millionen-Investitionsprojekt aufgefordert. Das „Koordinierungsgespräch“, noch so eine verbale Nebelkerze, mit den Geldgebern von Bund und Land sowie der Thüringer Schlösser- und der Friedenstein-Stiftung werde gerade vorbereitet und „nach der Sommerpause“ stattfinden. So vergeht wertvolle Zeit.

Baugerüst im Schloss Wilhelmsburg
in Schmalkalden wird umgesetzt


Die bestätigten Investitionen in südthüringer Schlösser bewegen sich in Dimensionen, die nicht so im Blick Berliner Bürokraten stehen. Das Baugerüst in Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden wird im nächsten Jahr umgesetzt, wie Direktor Kai Lehmann richtig vermutet. Bauherrin Doris Fischer bestätigt, dass die planerischen Vorarbeiten beendet, die Haushaltsunterlagen fertiggestellt worden sind. Begonnen werde 2023 mit der Sanierung der Umfassungsmauern, ab 2024 kommt das Dach im Süd- und Westflügel dran. So vergleichbar starten auch die Sanierungsarbeiten in den Schlössern Bertholdsburg in Schleusingen und Altenstein bei Bad Liebenstein und deren Umfeld.

Wird umgesetzt. Baugerüst am Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden. Archivfoto: miplotex

Große Hoffnungen machte sich das Hennebergische Museum Kloster Veßra, aus dem SIP I einen Millionenbetrag für die denkmalgerechte Sanierung der Klosteranlage zu bekommen. Daraus wurde bekanntlich nichts. Ein anderes Projekt wird jetzt aus dem „normalen“ Haushalt der Thüringer Schlösserstiftung umgesetzt. Sie hat für 185.000 Euro das benachbarte ehemalige Porzellanwerk gekauft und investiert rund eine Million Euro in den Umbau zu einem Depot. Museumsdirektorin Claudia Krahnert hängt die Ansprüche höher und spricht von einem „modernen Sammlungszentrum“, das ab 2025 für ihr Museum und die benachbarte Bertholdsburg in Schleusingen verfügbar sein sollte. Den Fachplaner für das Sammlungszentrum muss sie aus dem eigenen, schmalen Museumsbudget finanzieren. Ungeklärt ist bisher, wer die Einrichtung des Sammlungszentrums finanziert. Die Museumsdirektorin rechnet mit einer Summe von bis zu 700.000 Euro.

Meiningens Bürgermeister verhandelt mit Schlösserstiftung,
„aber nicht um jeden Preis und nicht zu jeder Bedingung“


In Meiningen herrscht große Ungeduld, weil Schloss Elisabethenburg dringend saniert werden muss. Die Stadt will die gesetzlich eingeräumte Option ziehen und die Liegenschaft in die Thüringer Schlösserstiftung einbringen, sagt Bürgermeister Fabian Giesder (SPD). „Aber nicht um jeden Preis und nicht zu jeder Bedingung“, die von der STSG gestellt werden, macht er deutlich. Im SIP I sind 20 von 200 Millionen Euro für neue Liegenschaften reserviert, die in die Thüringer Schlösserstiftung eingebracht werden sollen. Einen Teil der Summe beansprucht Meiningen.

Gegenwärtig verhandele man über die Bedingungen zur Aufnahme in die Thüringer Schlösserstiftung, berichtet Bürgermeister Giesder. Die Gespräche seien aber zäh und gingen nur mühsam voran. Der Übergang von Schloss Elisabethenburg in das Eigentum und die Verantwortung der STSG zum 1. Januar 2023 „ist nicht mehr zu schaffen“, bedauert Giesder. Er verweist im Gespräch mehrfach auf den dringenden Sanierungsbedarf und bereits existierende Vorplanungen. Nach Aufnahme in die Thüringer Schlösserstiftung könne es ganz schnell gehen, könnten Baugerüste und Baukran im Schlosshof stehen, ist der Meininger Bürgermeister überzeugt.

Da sei ja noch ein Sonderinvestitionsprogramm II von Bund und Land in Aussicht, das ab 2024 verhandelt und wo ab 2028 weitere Millionen Euro in Thüringer Schlösser und Burgen fließen könnten, sinniert Fabian Giesder. Selbstverständlich auch in die weitere Sanierung von Schloss Elisabethenburg in Meiningen. Und hoffentlich auch in das Hennebergische Museum Kloster Veßra.

In der Zeitung und jetzt hier online veröffentlicht. Screenshot: miplotex

Nachbemerkung: Die Geschichte habe ich Ende Juli, Anfang August 2022 recherchiert und geschrieben. Der Beitrag erscheint hier erstmals online.

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