Mehr Geld ...

und alles bleibt so, wie es ist

Das Deutsche Nationaltheater und die Staatskapelle Weimar verteidigen ihre institutionelle und künstlerische Eigenständigkeit. Sie wollen sich gegenwärtig keinen Millimeter in Richtung Erfurt bewegen.

Ein Thüringer Staatstheater Weimar-Erfurt wird es in absehbarer Zeit nicht geben, eine irgendwie andere institutionelle Zusammenarbeit ebenfalls nicht. Sie ließen den Thüringer Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff bei einer öffentlichen Diskussion  am Dienstagabend einfach abblitzen. Mit „Sie“ sind gemeint: der andere Theaterträger, die Stadt Weimar, Generalintendant Hasko Weber, Künstler des Theaters und Orchesters und andere Mitarbeiter, das Publikum im Theater, die alle die emotionsgeladene Diskussion verfolgten und führten.

Eiszeit vor dem Deutschen Nationaltheater Weimar.
Eiszeit vor dem Deutschen Nationaltheater Weimar.

Eine große Koalition in Weimar verweigert sich gegenüber dem Land, das im Jahr 2016 19,14 Millionen Euro für das Theater mit seinen 400 Mitarbeitern überweisen wird. Die Alternative? Ein bisher nicht öffentliches Positionspapier von Hasko Weber „DNT kompakt“, das Oberbürgermeister Stefan Wolf für die Lösung hält. Bruchstückhaft wurde daraus in der öffentlichen Diskussion genannt: Das Land erhöht seinen Finanzierungsanteil in Weimar auf 83 Prozent, konkret 2,5 Millionen Euro pro Jahr  mehr. Ansonsten bleibt alles so, wie es ist.

So einfach wird das nicht funktionieren, das weiß Hasko Weber. Deshalb spielt er auf Zeit: „Jede Veränderung würde den gesamten komplexen Theaterbetrieb gefährden.“ Künstlerische Eigenständigkeit nehme jedes Haus für sich in Anspruch, formulierte er mit Blick nach Erfurt, sie „ist nicht diskutierbar“. Weber ist ein kluger Kopf, der nicht durch die Wand gehen will. Er taktiert, laviert und schlägt erstmal eine ständige Konferenz der Theaterträger, Intendanten und des Kulturministers vor, eine Art Debattierklub, um Zeit zu gewinnen.

Öffentliche Debatte im Theater. Und künftig ein nichtöffentlicher Debattierklub? Fotos: mip
Öffentliche Debatte im Theater. Und künftig ein nichtöffentlicher Debattierklub? Fotos: mip

Die Debatte aus dem Publikum heraus lieferte interessante Einblicke in die Seele der Weimarer Bürger. Zunächst Unverständnis. Deutschland ist ein reiches Land, Thüringens Kapital ist seine Kultur, da müsse investiert werden. „Das einzige Problem ist die Unterfinanzierung.“ Stimmt ja irgendwie. Aber anders als sein Vorgänger Christoph Matschie will Kulturminister Hoff die zusätzliche Landesförderung für Theater und Orchester, mindestens zehn Millionen Euro bis 2019, an Strukturveränderungen, an mehr Kooperationen knüpfen. Anderswo scheint diese Botschaft anzukommen, etwa in Eisenach und Gotha. In Weimar nicht.

Über die künstlerische Qualität der Arbeit, die vor allem die Weimarische Staatskapelle als einziges A-Orchester in Thüringen für sich reklamiert, und über Besucherresonanz wird öffentlich nicht geredet. Das ist ein heikles Thema, die Qualität. Besucherzahlen sind konkret. Laut Statistik des Deutschen Bühnenvereins zählte die Sparte Oper im Großen Haus des Deutschen Nationaltheaters in der Spielzeit 2013/2014 exakt 25.275 Besucher, eine Auslastung von 49,8 Prozent. Zum Vergleich Erfurt und Meiningen: 30.329 Besucher und 65,3 Prozent bzw. 22.643 Besucher und 76,3 Prozent.

„Wir kooperieren mit dem Theater Erfurt, dafür stecke ich im eigenen Haus viel Kritik ein. Das halte ich aus.“ Hasko Webers offene Worte am Ende der Diskussion im Ohr, geht der Blick auf das nächste gemeinsame Projekt beider Theater, die Kooproduktion von Richards Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“. Premiere in Erfurt ist am 29. Mai, in Weimar am 19. November 2016. Gemeinsam singen Solisten und Chöre beider Theater, in Erfurt spielt das Philharmonische Orchester, verstärkt durch die Thüringen Philharmonie Gotha, in Weimar sitzt die Staatskapelle im Orchestergraben. Geht doch, wenn alle Beteiligten das wollen.

Der Beitrag erschien, hinter der Bezahlschranke, heute im Feuilleton der Tageszeitung Freies Wort.

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