Angermuseum Erfurt

Das Schweigen der Freunde

Echte Freunde helfen in der Krise oder Not. Die Freunde des Angermuseums in Erfurt schweigen. Das Ausstellungsprogramm dieses Jahres und die Museumsnacht sind akut gefährdet. Aber die Freunde schweigen. Was soll ich davon halten?

Dreimal habe ich den Vorstand der Freunde des Angermuseums per Mail auf die dramatische Situation aufmerksam gemacht, gefragt, gefordert, gemahnt, sie sollten sich öffentlich und offensiv äußern. Schweigen. Null Reaktion.

Also mache ich jetzt das Maul auf, schreibe diesen Weckruf und werde ihn online verbreiten.

Zur Lage. Die Thüringische Landeszeitung berichtet am 3. März 2016 „Gesamtes Ausstellungsprogramm der Erfurter Kunstmuseen gefährdet“ und zitiert dabei den Direktor Kai Uwe Schierz. Das Angermuseum ist das Flaggschiff der Kunstmuseen. Der Direktor sagte zur TLZ, er könne keine Aufträge auslösen, Rechnungen schreiben, er sei zur Untätigkeit verurteilt.

Direktor Kai Uwe Schierz (stehend) in der aktuellen Ausstellung "Hans Purrmann. Die Farben des Südens". Fotos: mip
Direktor Kai Uwe Schierz (stehend) in der aktuellen Ausstellung „Hans Purrmann. Die Farben des Südens“. Fotos: mip

Die Finanzdezernentin von Erfurt, Karola Pablich, verweist auf den nicht existierenden Haushalt der Stadt, Stichwort: vorläufige Haushaltsführung. Da haben sie und Oberbürgermeister Andreas Bausewein ein Durchgriffsrecht und müssen jede einzelne unausweichliche Ausgabe genehmigen. „Ich kann nichts genehmigen, wo Drittmittel nicht sicher sind“, wird Pablich zitiert.

Der Stadtrat als die gewählte Vertretung der Erfurter Bürger lässt sich das gefallen. Der Oberbürgermeister legt (mit Absicht?) keinen Haushaltsentwurf vor, also kann er mit der Steuerkohle der Bürger tun und lassen was er will.

Er lässt vor allem – die Museen der Stadt Erfurt am ausgestreckten Arm verhungern. Wenn es um drittklassigen Fußball und eine Arena geht, werden mal schnell zusätzlich sieben Millionen Euro im Stadtrat durchgewunken. So geschehen Ende letzten Jahres.

Beim Angermuseum geht es aktuell um 50.000 Euro. So viel, besser so wenig, kostet das gesamte Ausstellungsprogramm 2016. Aktuell geht es um 500 Euro für eine Ausstellung in der Galerie Waidspeicher und um 1.000 Euro für die Lange Museumsnacht in Erfurt am 10. Juni 2016, die sonst abgesagt werden muss. Da kommen immer Tausende von Besuchern und flanieren durch die Erfurter Museen.

Alle Erfurter Museen zählten übrigens im Jahr 2015 insgesamt 270.000 Besucher.

Das scheint in der Stadtverwaltung unbekannt zu sein.

Sie verspielt kulturelles Kapital.

Der Stadtrat lässt Oberbürgermeister und Finanzdezernentin schalten und walten.

Der Vorstand der Freunde des Angermuseum, ein Bürgerverein mit über 400 Mitgliedern, schweigt zu der ganzen Misere.

Als Mitglied der Freunde des Angermuseums kann ich nur Schreien über so viel Schweigen, Gleichgültigkeit, Arbeitsverweigerung, Verantwortungslosigkeit.

Das musste ich hier mal aufschreiben. Das sende ich jetzt in die digitale und reale Welt.

2 Kommentare zu “Das Schweigen der Freunde”

  1. Sehr geehrter Herr Plote,
    Wortgekonnt beginnen Sie Ihre Internetseite, überzeugend? Naja! Ihre Kritik, überzeugend? Naja, eher nein. Sie sollten als Journalist ihr feines Wort nicht destruktiv sondern konstruktiv verwenden. Wenn ich als Zahnarzt (Nichtkenner des feinen Wortes) meinen Patienten sage: “ Sie haben falsch geputzt“, macht der das anschließend auch nicht besser.
    Als Freund des FV bringen Sie Ihre konstruktiven Ideen ein, helfen Sie dem Verein, helfen Sie dem Vorstand im Interesse unserer Museenlandschaft und verschwenden Sie Ihre Zeit nicht für destruktive Polemik. Wir müssen aktiv werden, aber bringen Sie Ihre Vorschläge ein.
    Oder sprechen Sie erstmal mit den Ihnen bekannten Vorstandsmitgliedern! Alle haben ein Telefon

  2. Sehr geehrter Herr Plote,
    danke für die Informationen. Wie sich die Bilder gleichen! Auch in Arnstadt weigert sich ein Bürgermeister seit Jahren, einen Haushaltsentwurf vorzulegen, unter dem Vorwand „kein Geld“. Mit professionell inszenierten Notstandszenarien demontiert er u.a. die Kulturlandschaft der Stadt, bzw versucht es. Denn der Stadtrat ist in Teilen inzwischen aufgewacht, konnte das Schlimmste verhindern und hatte, wie allseits bekannt, ein Abwahlverfahren eingeleitet. Dies erforderte viel Aufklärungsarbeit, umsomehr, als die Medien wochenlang gegen den Arnstädter Stadtrat zu Felde zogen und sich die Sichtweisen des Bürgermeisters unkritisch zueigen machten. 55% der BürgerInnen stimmten dennoch gegen den Bürgermeister, aber der Thüringer Kommunalordnung waren es nicht genug.
    Man erschrickt, wie oft in Kontrollgremien zustimmend die Hand gehoben wird, ohne dass die Verantwortlichen wirklich wissen, wofür sie stimmen. Dagegen hilft nur Öffentlichkeit, die auf Grund der immer weniger werdenden und immer schlechter bezahlten Presseredaktionen leider nur aus der Bloggerszene kommen kann. Auch wenn die Zahl der eigenen „Freunde“ dadurch rapide abnimmt. Mit kollegialen Grüßen
    Dr. Jan Kobel, http://www.arnstadt-wohin.de / Neuer Arnstädter Anzeiger

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