Das Bauhaus in Thüringen entdecken

Die Foto-Ausstellung im KunstForum Gotha gibt überraschende Einblicke und Ausblicke auf Architektur und Gestaltung, Innen- und Außenräume, eröffnet neue Perspektiven auf bekannte Objekte, die mit dem Bauhaus in Thüringen verbunden werden.

Katalog und Blick in die Foto-Ausstellung.

Das Coverbild des Ausstellungskataloges irritiert. Was ist daran Bauhaus? Aus der Vogelperspektive  aufgenommen, ein angeschnittenes Rechteck, Details, die nur schwer zu identifizieren sind.  Die Spur führt nach Weimar zum neuen Bauhaus-Museum, eine Luftaufnahme (mit Drohne?) der Baustelle und des Rohbaus von Sebastian Wanke und Philipp Specht. Sie reichten weitere Fotos ein, Luftbilder, die bekannte Bauhaus-Orte und Objekte von oben, aus ungewöhnlicher Perspektive, zeigen. Die Jury des Fotowettbewerbes erkannte ihnen dafür den zweiten Preis zu.

Für den Fotowettbewerb „Bauhaus entdecken – Spurensuche im Freistaat Thüringen“ wurden 167 Bilder eingereicht, davon 73 Aufnahmen von 27 Fotografinnen und Fotografen für die Ausstellung ausgewählt, und zehn Geldpreise von 500 bis 50 Euro durch die Jury vergeben. Die Gesellschaft für Fotografie, Landesverband Thüringen, und die Kultourstadt Gotha hatten Profis und Laien zu dem Wettbewerb aufgerufen.

Bauhaus darf als Metapher verstanden werden für Architektur und Design, für modernes Bauen und Gestalten vor rund 100 Jahren in Thüringen, für weniger bekannte Objekte und Orte sowie für ungewöhnliche Perspektiven und Details, die überraschen sollen. Die ersten drei Preisträger stehen beispielhaft dafür. Noch weitgehend unbekannt, in dieser Zeitung bereits vorgestellt, gehört das Haus des Volkes in Probstzella zu den bevorzugten Fotomotiven, die in der Ausstellung zu sehen sind. Die größte Bauhaus-Architektur in Thüringen übt vor allem durch die Innenraum- und Farbgestaltung des Bauhaus-Meisters Alfred Arndt eine magische Anziehungskraft aus. Fassadenelemente, Farben, Farbenspiele und Innenraumdetails sind willkommene Fotomotive. Der erste Preis für Anke Kacholds detailreiche Aufnahmen ist verdient.

Den dritten Preis erhielt Klaus Nerlich zugesprochen. Der Weimarer Künstler lichtete Bauhaus-Ikonen von Marianne Brandt in einem technischen aufwendigen Verfahren, der Cyanotypie, ab. Durch die lange Belichtungszeit, bis zu Stunden, werden die Objekte der Bauhausgestalterin (Schale, Teekanne und Lampe) visuell fast aufgelöst, als ob sie vom Bildträger verschwinden. Die Ergebnisse des Experiments überraschen und überzeugen nachdrücklich.

Pößneck, Allgemeine Ortskrankenkasse, Fotos von Katja Wisotzki.

Das Bauhaus in Thüringen entdecken bedeutet auch, Orte mit Bauten zu entdecken, die der Besucher dort nicht vermutet. Das alte Kabelwerk in Vacha mit seinem runden Dach und das Heinrich-Mann-Sanatorium in Bad Liebenstein mit seinem Sheddach, Fotos von Maria Kracht, sind solche Hingucker. Auch ein Fassadendetail des Milchhofs in Arnstadt, aufgenommen von Volker Klaukien. In Gotha überraschen die Motive der Bauhaus-Siedlung  „Am schmalen Rain“ von Stefan Heinemann. Eindrucksvolle Treppenhäuser mit Geländern und Lampen sind mehrfach an ganz unterchiedlichen Orten und in Gebäuden gekonnt fotografiert worden.

Natürlich ist Weimar mit vielfältigen Motiven vertreten, das kann nicht anders sein. Das neue Bauhaus-Museum, vor allem Fassadendetails, das Areal der Bauhaus-Universität mit Elementen aus dem Direktorenzimmer von Bauhausgründer Walter Gropius, ein Blick aus der Vogelperspektive über das Quartier der Moderne mit den Museen und dem ehemaligen Gauforum. Bemerkenswert sind auch Fotos mit Motiven aus Erfurt, die am Anger sowie im Stadtviertel am Hamburger und Flensburger Block moderne Bauten vor 100 Jahren in den Blick rücken. Dabei werden auch verfallende Objekte mit ihrem maroden Charme nicht ausgespart.

Die sehenswerte Foto-Ausstellung weitet den Blick über Weimar hinaus, was mit Bauhaus, modernem Bauen und Gestalten in Thüringen noch zu entdecken ist. Wer sich auf Spurensuche vor Ort begeben will, muss die Objekte aber selbst suchen und finden. Hier wären ein paar Informationen mehr nützlich gewesen für Reisende und Besucher, die vom Bauhaus nicht genug haben können.

Ausstellung bis 3.11.2019
im Kunstforum Gotha
Querstraße 13-15
geöffnet Di-So 10-17 Uhr

Der Text erschien zuerst in der Tageszeitung Freies wort, Print-Ausgabe und E-Paper.
Fotos / Screenshot: miplotex

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