Die dunkle Seite des Museums

Rätselhaft, dunkel ist der Titel der Ausstellung, der Installation, der Intervention oder was immer das sein soll in der Defensionskaserne auf dem Petersberg in Erfurt.
„raumzeit:depot – Eine immersive Reise durch die Depots der Erfurter Museen“

Hier geht´s rein

Schubladen öffnen sich wie von Geisterhand. Bruchstücke von Steinen schweben durch den Raum. Wie aus dem Nichts tauchen Gemälde auf und verschwinden. „Guck in die Depots, was Du machen kannst“, sprach Erfurts Kulturdirektor Christian Horn zum Erfurter Multimedia-Künstler Dirk Rauscher. So beschreibt Horn den Auftrag, den der Künstler jetzt ausgeführt hat.

Schubläden öffnen sich im dunklen, virtuellen Depot

Die virtuelle Kurzreise in Erfurter Museumsdepots beeindruckt durch ihren effektvoll inszenierten Schauwert. Dutzende präparierte Schmetterlinge (?), eine Grabsteinplatte (Epitaphe?) und ein paar Gemälde (?) driften dreidimensional 3D durch den virtuellen Raum, ab und zu ein bisschen mit Gold gepudert. Schöne Schau-Effekte in drei dunklen Räumen der Defensionskaserne. Die virtuellen Museumsobjekte bleiben anonym. Sie werden nicht in einen Sammlungs- oder sonstigen Kontext gestellt, man erfährt leider nichts über sie. Über den Künstler auch nichts.

Was ist das? Keine Ahnung, weil keine Information zum Objekt in der Ausstellung

Eigentlich geht’s um Grundsätzliches, um die „dunkle Seite des Museums“, um „Das Depot“, wie in einem langen Zitat auf einem schwarzen Ausstellungsbanner nachzulesen ist. „Mit Nachdruck wollen wir auf die Depotsituation“ in den städtischen Museen aufmerksam machen, sagt Kulturdirektor Horn zur Eröffnung der digitalen Kurzreise. Ausstellungsbanner liefern Fakten und einen Fahrplan, wie die größtenteils prekäre Depotsituation innerhalb von zehn Jahren grundlegend positiv verändert werden soll.

Selbsterklärend

Die vorgestellten Fakten. Auf 5.800 m² Depotfläche lagern gegenwärtig ca. 250.000 Museumsobjekte. Etwa die Hälfte der Flächen eignet sich für die adäquate Aufbewahrung von Museumsgut. Die andere Hälfte ist problematisch oder nicht geeignet. Das heißt konkret: fehlender Brandschutz, statische Probleme, Gebäudeschäden, nicht klimatisierte Depots. Büros und Ausstellungsräume werden als Depot zweckentfremdet genutzt. Zur (Einbruch) Sicherheit der städtischen Museumsdepots sagt die Bestandsaufnahme nichts.

Blick in ein Erfurter Museumsdepot

Umsetzung und Zeitplan
Hier nennt ein Ausstellungsbanner fünf Schritte. Ist-Zustand ermitteln: ist geschehen. Städtische Flächen finden: Gebäude umbauen und / oder Depots neu bauen? Konkret: Für 2024 kündigt Kulturdirektor Horn eine Machbarkeitsstudie an, Kosten sollen ermittelt werden. Entscheiden: Stadtrat und Stadtverwaltung. Umsetzen: also umbauen und / oder neu bauen. Dauert fünf Jahre, der gesamte Prozess zehn Jahre.

Im Regal gestapelt und deponiert | Alle Fotos: miplotex

Was bleibt, sind heikle Fragen
Wie verlässlich ist die Bestandserfassung von Museumsobjekten in den städtischen Depots? Gibt es aktuelle Bestandskataloge in allen städtischen Museen, in welcher Form auch immer? Was wird (künftig) gesammelt und deponiert? Heißt umgekehrt: Was wird (künftig) möglicherweise an andere Museen und Sammlungen abgegeben? Was wird aussortiert? Entsammeln heißt das Unwort.

Der jetzt gestartete Prozess, Depots zu modernisieren, neue Depots zu bauen, bietet die Chance, die städtischen Museen für das 21. Jahrhundert neu aufzustellen. Der Ansatz ist gut. Dafür braucht es politischen Willen, eine Finanzierung und Durchhaltevermögen.

So ganz nebenbei verkündete Kulturdirektor Horn zur Ausstellungseröffnung: Wir planen in Erfurt ein kulturhistorisches Museum und ein naturkundliches Museum. Da habe ich mich nicht verhört.

Nebenbei verkündet: Karin Kosicki, langjährige Leiterin der Zentralen Restaurierungswerkstätten der Stadt Erfurt, ist in den Ruhestand verabschiedet worden.
Liebe Frau Kosicki: Genießen Sie den Ruhestand, bleiben Sie gesund!

WAS? WER?
„raumzeit:depot – Eine immersive Reise durch die Depots der Erfurter Museen“
Video-Installation des Erfurter Motion Designers Dirk Rauscher

WO? WANN? WIE?
Erfurt, Petersberg, Defensionskaserne
geöffnet bis 17.09.2023
Dienstag bis Sonntag 11-18 Uh
Eintritt frei


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