Bausanierung Bürokratie Befindlichkeiten

So viel öffentliches Geld steht, theoretisch, zur Verfügung. So wenig sichtbarer Bau- und Sanierungsfortschritt ist in und um Schloss Friedenstein in Gotha erkennbar.

Ewige Baustelle Schloss Friedenstein?

Mit dem Sonderinvestitionsprogramm I (SIP I) können bis zum Jahr 2027 insgesamt 200 Millionen Euro in 23 Projekte in 13 Liegenschaften der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) fließen. Die Millionen stammen zu gleichen Teilen vom Bund und Freistaat Thüringen.

„Wir sind im Zeitplan und enorm zuversichtlich“, sagt Stiftungs-Direktorin Doris Fischer, als sie im Renaissanceschloss Dornburg das Jahr 2023 Revue passieren lässt und auf das Jahr 2024 schaut. Sie und ihre Chefplanerin für das SIP I, Carola Niklas, erläutern detailreich, mit Zahlen und Fakten, was bisher erreicht wurde, was und wo 2024 geplant und gebaut werden soll. Das Großprojekt Schloss Friedenstein taucht hier nicht auf.

Schloss Friedenstein ist ein Sonderfall. Da stehen insgesamt 110 Millionen Euro bereit, um in zwei Teilprojekten bis 2032 das Schloss zu sanieren. Das ist dringend nötig. Doch das sehr anspruchsvolle Vorhaben kommt nicht so richtig in Gang. Ein Baufortschritt ist für Außenstehende nicht so recht erkennbar. Das hat Gründe, da gibt es Spekulationen und jede Menge Frust bei Beteiligten. Doch der Reihe nach.

Bauschild am Schloss Friedenstein in Gotha.

60 Millionen Euro stammen aus dem Sonderinvestitionsprogramm (SIP) Gotha von 2017. 50 Millionen Euro fließen aus dem SIP I. Das ist politisch so gewollt. Die 110 Millionen Euro von Bund und Freistaat Thüringen sorgen dafür, dass eine bürokratische Maschine in Gang gesetzt wird. Bundesgesetze und -verordnungen greifen, Gespräche und Verhandlungen zwischen Bund und Land werden geführt und blockiert. Ein „Koordinierungsgespräch“ ist erst notwendig, jetzt nicht mehr.

Dennoch „bleibt das Erfordernis der grundsätzlichen Abstimmung mit den Bundesbehörden zum Verfahren, Umfang und Finanzierung der einzelnen Teilprojekte“, sagt eine Sprecherin der für Sonderinvestionsprogramme zuständigen Thüringer Staatskanzlei (TSK). Sie fügt hinzu, die Abstimmung „geht immer noch schleppend voran.“ Die Behörde der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) hat „erneute Arbeitsaufträge“ an Thüringen erteilt. Die müssen erledigt werden. Dann folgen neue Verhandlungen. So antwortet die Sprecherin der TSK. So bürokratisch, schleppend und frustrierend ist der Stand Ende November 2023.

Die Bauarbeiten haben, zum Glück, schon längst begonnen, wenn auch langsam. Im Teilprojekt I ist der barocke Dachstuhl des Westflügels von Schloss Friedenstein seit Ende 2021 erfolgreich saniert. Weitere Bauarbeiten sind abgeschlossen. Insgesamt sind bisher laut STSG-Direktorin Doris Fischer 13 Millionen Euro verbaut, weitere 4 Millionen „in der Pipeline“, unter anderem für das Projekt Arkadenpfeiler im Schlosshof, weitere Notsicherungen und Planungsleistungen. Der Freistaat Thüringen finanziert das einseitig, weil Bundesmittel dafür bislang nicht fließen. Begründung: siehe oben.

Das Dach des Westflügels (links) ist saniert.

Im Teilprojekt II sind Planungen und einzelne Baumaßnahmen im Schlossgebäude im Jahr 2023 erfolgt. Die TSK zählt hier detailliert alle Arbeiten auf. Da ist einiges vorangekommen. Im Kontext der Gesamtsanierung mit einem Investitionsvolumen von 110 Millionen Euro bis 2032 ist jedoch viel zu wenig bisher passiert. Die Baukosten steigen, Überraschungen in der laufenden Sanierung und damit verbundene Kostensteigerungen sind zu erwarten, wie fast immer bei historischen Gebäuden.

Der Gothaer Oberbürgermeister Knut Kreuch hat Ende September 2023 öffentlich seinem Frust freien Lauf gelassen, Stagnation und Stillstand der Sanierung heftig kritisiert, dabei die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten „angeklagt“. Die starke emotionale Reaktion kann STSG-Direktorin Doris Fischer nicht nachvollziehen. Die Thüringer Schlösser-Stiftung habe ihre Hausaufgaben gemacht, die neuen formalen Bedingungen der Bundesministerien erfüllt. Sie betont: „Wir sind nur eingeschränkt handlungsfähig.“ Die Thüringer Staatskanzlei argumentiert in ihrer ausführlichen Antwort auf die Presse-Anfrage ähnlich. Der Bund bremst, auch wenn das keiner so direkt formuliert.

Ausstellung im Schloss als ewige Baustelle? Alle Archivfotos: miplotex

Was bleibt? Was kommt? In mehr oder weniger kleinen Schritten gehen Planung, Notsicherungen, Sanierung und Bauarbeiten auf Schloss Friedenstein voran. Der bürokratische Knoten muss endlich gelöst, emotionale Befindlichkeiten sollten heruntergefahren werden. Ein sichtbarer Baufortschritt ist derzeit nicht in Sicht. Leider.

Nachbemerkung
Die Geschichte habe ich Ende November 2023 recherchiert und aufgeschrieben. Sie ist erstmals am 15. Dezember 2023 in „Oscar am Freitag“ veröffentlicht worden.

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