Millionen-Defizit. Millionen-Förderung | Theater Erfurt 3_4

Einerseits: 3 Millionen Euro Minus gemacht im letzten Jahr. Andererseits: Das Theater Erfurt wird mit über 20 Millionen Euro Steuergeld jedes Jahr gefördert. Wer schaut da hin? Was wird wofür ausgegeben?

Ist das Drama? Oder Lustspiel? Oder eine Soap? Im Theater Erfurt sorgen Vorwürfe sexueller Übergriffe und Machtmissbrauch für große öffentliche und mediale Aufmerksamkeit weit über die Stadt hinaus (Links Teil 1 und 2). Hinzu kommt ein undurchsichtiger Umgang mit Steuer-Millionen im Theater. Teil 3 eines Theater- und Verwaltungsskandals.

Die finanzielle Zukunft des Theaters Erfurt ist gesichert. Am 14. Dezember 2023 unterschreibt der Kulturbeigeordnete im Auftrag des Oberbürgermeisters die „Gemeinsame Vereinbarung zur Finanzierung des Theaters Erfurt für die Jahre 2025 bis 2030“. Neben Knoblich stehen im Kabinettssaal in der Thüringer Staatskanzlei Generalintendant Montavon und der Thüringer Kulturminister Hoff. Darüber habe ich im zeitlichen Vorfeld berichtet.

Kulturdezernent Knoblich unterschreibt den Theaterfinanzierungsvertrag. Daneben der Erfurter Generalintendant Montavon (Mitte) und Thüringens Kulturminister Hoff.

Im Dezember 2023 ist das 3-Millionen-Defizit im aktuellen Erfurter Theaterhaushalt längst bekannt. Das Land hat als Geldgeber ein ständiges Gastrecht im Werkausschuss des Theaters Erfurt, verbunden mit einem umfassenden Auskunftsrecht. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass vor der beabsichtigten Millionen-Euro-Ausschüttung von Steuergeldern über das Theater Erfurt (und andere Thüringer Theater und Orchester) keine Evaluation durch die Geldgeber Stadt und Land erfolgte, wie bisher mit den Millionen gewirtschaftet wurde. Aber vielleicht fand das „in Hinterzimmern“ statt.

Wie kommt es zum 3-Millionen-Euro Defizit im Wirtschaftsjahr 2023? Die Domstufen-Festspiele besuchen nur zwei Drittel der erwarteten Gäste. Kalkuliert wird mit 99 Prozent Auslastung, höchstens eine Vorstellung (unter freiem Himmel) darf ausfallen. Die erwarteten Eigeneinnahmen des Theaters Erfurt von knapp 5 Millionen Euro im ganzen Jahr 2023 sollten zu zwei Drittel durch 22 Vorstellungen der Festspiele (bei mehr als 400 Vorstellungen und Veranstaltungen des Theaters in 2023) erlöst werden. Ich weiß, das klingt alles ein bisschen kompliziert und langweilig. Fakt ist: Das ist ein sehr riskantes Geschäftsmodell, das über viele Jahre funktionierte.

Hinter dieser Rathaustür im Dezernat 02 Finanzen (und einiges mehr) werden die Beteiligungen der Stadt verwaltet. Das Theater Erfurt gehört dazu. Fotos: miplotex

Der Kulturbeigeordnete Knoblich verkündet im Oktober 2023 eine „Ausgabensperre“ von 1 Million Euro für das Theater Erfurt für das Haushaltsjahr 2024 (bei einem Gesamtetat von ca. 25 Millionen Euro). Da sind die Besucherzahlen und Millionenverluste schon seit Monaten bekannt. Nebenbei: Hat Knoblich als Kulturdezernent seine Kompetenzen hier überschritten, persönlich in den noch nicht beschlossenen Theater- und Stadthaushalt 2024 einzugreifen?

Zahlen und Fakten: Der Entwurf des Theaterhaushalts 2024/25, der geprüfte Jahresabschluss 2022 und Lagebericht sowie die Finanzierungsvereinbarung Theater 2025 bis 2030 (Option bis 2032) lagen und liegen öffentlich zugänglich vor. Ich habe alles gelesen, Fachleute gefragt, mir Sachverhalte erklären lassen. Mir kommt da manches, vorsichtig formuliert, recht merkwürdig vor.

Da ruft mich ein Stadtrat an und wundert sich: Generalintendant M. inszeniert als Gast seit Jahren regelmäßig an deutschen und internationalen Theatern, lässt sich das extra vergüten. Intendanten und Regisseure aus diesen Häusern lädt Herr M. im Gegenzug nach Erfurt ein, um zu inszenieren. Diese Gäste werden natürlich auch extra über den Haushalt des Theaters Erfurt bezahlt. Was? Wer? Wie viel? Das soll jetzt, hoffentlich gründlich und zügig, untersucht werden.

Zweite Sache, die untersucht wird: Da sollen Bühnenbilder des Theaters Erfurt nach Holland verkauft worden sein. Wer hat da zu wessen Gunsten ein Geschäft gemacht? Ist da Geld in eine private Kasse geflossen? Da kann doch schnell in Büchern nachgeschaut und bei Beteiligten nachgefragt werden. Oder?

Dann tickt da noch eine „Zeitbombe“ seit einigen Jahren, das steht immer wieder fast wortgleich im Wirtschaftsplan des Theaters Erfurt. Für notwendige Investitionen und Werterhaltungsmaßnahmen im Theater Erfurt sind 16,674 Millionen Euro notwendig. Eine lange Liste ist im Wirtschaftsplan beigefügt, was wofür dringend notwendig ist. Im Entwurf des Stadthaushaltes für 2024 und 2025 stehen jeweils 150.000 Euro. Das ist weniger als 1 Prozent.

Wann ist mit einem „Blackout“ in der „Black Box“ Theater Erfurt zu rechnen?

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